- Keramik

Um die bereits eingangs erwähnte Hauptfundgruppe als solche zu verdeutlichen, ein paar Zahlen zum Staunen: Die Grabungen in der spätslawischen Burg Danzig (inklusive Suburbium) ergaben ein Keramikgewicht von über 10t, das Keramik-Material aus der Anlage Berlin/Spandau erbrachte mehr als 100.000 Scherben und Starigard/Oldenburg immerhin 40.000 Scherben. Diese Menge an Fundstücken erklärt sich einerseits durch die Fragmentierung. Die Zahl der Einzelgefäße ist bestimmt kleiner anzusetzen. Andererseits ist Keramik zerbrechlich, nur bedingt recyclebar (z.B. als Magerungszuschlag bei der Schamottemagerung) und erhält sich gut in den meisten Substraten.

p2200019.JPGJedenfalls zeigt sich die zentrale Bedeutung der Objektgruppe. Keramik indiziert regionale Kulturgruppen, ethnische Grenzen, technische Entwicklungen (Handaufbau-/ Drehscheibenware), soziale Gliederung (Eigenproduktion/spezialisierte Handwerker), Importwege (als Handelsware oder Transportbehälter) und Kontaktbeziehungen.

Bei der Keramik des Ladogagebiets handelt es sich vorwiegend um slawische Produktion. Die slawische Keramik wird in der älteren Forschung, von manchen Autoren noch in den 50ern und 60ern und auch heute noch als “Ostseeware” bezeichnet, was aber nur einen Teil ihres Verbreitungsgebietes umfasst und deshalb zu vermeiden ist. Ihren Ursprung hat die slawische Keramik im sogenannten Prager Typ, der erstmals im Gebiet des heutigen Tschechien, der Slowakei und der angrenzenden Gebiete als solcher erkannt wurde. Es handelt sich dabei um eine eher grobe, handaufgebaute Ware, die nur in den seltensten Fällen Dekor aufweist und auffällig dickwandig ist. Die slawische Keramik wird in drei Phasen/Stufen unterteilt, wofür sich die Bezeichnungen Früh-, Mittel- und Spätslawisch etabliert haben. Der Prager Typ leitet die Frühslawische Stufe (I) ein. Die Entwicklung führte über teilweise nachgedrehte und vollständig nachgedrehte Waren in der mittelslawischen Periode hin zur spätslawischen Drehscheibenware.

Die von uns dargestellte Zeit, die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts, trifft in die Übergangsphase von der mittel- zur spätslawischen Periode. So stehen die Dekors unserer Gefäße in der (mittelslawischen) Tradition der Kammstrichware, weisen aber bereits teilweise Vorformen des (spätslawischen) Gurtfurchendekors auf. Die uns zur Verfügung stehende Literatur zum Ladogagebiet ist Großteils eher älteren Datums (wie beispielsweise Raudonikas, 1930). Zu dieser Zeit wurde noch keine modernen Standards bei der Dokumentation von Keramik angewendet, wie etwa maßstabsgetreue Abbildungen oder detaillierte Beschreibungen der Magerung. Deshalb erlauben wir uns formenkundlich passende Stücke aus besser dokumentierten Fundkomplexen heranzuziehen. Slawische Keramik wurde von der Wendelzeit (vor 800) über die gesamte Wikingerzeit und darüber hinaus bis weit ins 12. Jahrhundert nach ganz Skandinavien exportiert und verdrängte die einheimische Ware teilweise völlig.

Unsere Keramik wurde von der Töpferin unsres Vertrauens, Anna Axtmann, gefertigt.

Bilder und Einzelbeschreibungen folgen bald!

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